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30. Juli 2009 | Hintergrundinformationen

Vom Baumsaft zum Alleskönner

Die Geschichte des Kautschuks reicht in Europa bis ins 15. Jahrhundert zurück. Seit 100 Jahren wird der Werkstoff auch synthetisch hergestellt.

1495: Die Mythenbildung um den wundersamen Stoff und seine „Entdeckung“ durch die Europäer setzt schon früh ein. Angeblich soll sich bereits Christoph Kolumbus über die Spiele der Indianer mit einem elastischen, hüpfenden Ball amüsiert haben. Auch der spanische Konquistador Hernando Cortés soll aztekischen Spielen mit diesen Bällen beigewohnt haben. Jedenfalls wussten die Ureinwohner lange bevor die Europäer an Einfluss in Amerika gewannen, vielfältige und nützliche Dinge aus der Milch des „weinenden Baumes“ zu formen.

1735/45: Mehr als 200 Jahre vergehen, bevor der Kautschuk erstmals genauer unter die Lupe genommen wird. Der Franzose Charles de la Condamine beobachtet auf einer wissenschaftlichen Expedition von 1735 bis 1745 im Amazonasgebiet, auf welche Weise Kautschuk verwendet und wie er hergestellt wird. Dies führt zu weiteren Berichten und ersten Versuchen mit dem Werkstoff.

1763: Die Franzosen Pierre Joseph Macquer und L. Hérisant stellen fest, dass Kautschuk in Ether und Terpentin löslich ist und nach Verdunsten des Lösungsmittels wieder dieselben Eigenschaften zeigt wie vor dem Versuch.

1770:  Der Engländer Joseph Priestley berichtet über die Entdeckung des Radiereffektes durch den Mechaniker Edward Nairne, der per Zufall mit einem Stück Kautschuk über eine Bleistiftskizze strich. Nairne verkaufte Kautschukstücke dann unter dem Namen „rubber“ (Reiber).

1791: Samuel Peal erhält in London das Patent zur Herstellung gummierter Gewebe. Der in Terpentin gelöste Kautschuk wird allerdings bei Kälte steif, in der Sonne klebrig und verbreitet einen unangenehmen Geruch.

1818: Freiherr Karl Friedrich Drais von Sauerborn verwendet elastische Reifen erstmals für sein Laufrad (einem Vorgänger des Fahrrads).

1823: Charles Macintosh verbessert das Verfahren von Peal und stellt den ersten regendichten Mantel her.

1830: Weltkautschukverbrauch: 150 Tonnen

1839: Der US-Amerikaner Charles Goodyear entdeckt die Heißvulkanisation: Der mit Schwefel vermischte Kautschuk erhält dauerelastische Eigenschaften und wird somit zu Gummi.

1845: Der Schotte Robert William Thomson meldet beim Londoner Patentamt den ersten Luftreifen aus vulkanisiertem Gummi an.

1876: Der Engländer Sir Henry Wickham sammelt 70.000 Kautschuksamen in Brasilien und exportiert sie versteckt nach London, da der Export von Kautschuksamen unter Androhung der Todesstrafe verboten ist. Als Setzlinge nach Malaysia verschifft, legen sie den Grundstein der Kautschukplantagen in Südostasien. 

1888: Der britische Tierarzt John Boyd Dunlop erfindet den Fahrrad-Luftreifen.

1894: André und Édouard Michelin entwickeln einen Luftreifen für das Auto, den sie ein Jahr später beim Autorennen Paris-Bordeaux-Paris erfolgreich testen.

1909: Der deutsche Chemiker Fritz Hofmann entwickelt in weniger als drei Jahren synthetischen Kautschuk und erhält am 12. September 1909 dafür das Kaiserliche Patent. Sein Arbeitgeber verspricht sich von der rasch steigenden Kautschuknachfrage in dieser Zeit ein profitables Geschäft. Noch im gleichen Jahr werden Proben dieses Synthesekautschuks erfolgreich vulkanisiert und erstmals zu Testreifen verarbeitet. Das Verfahren ist aber noch aufwändig.

1912: Herstellung von Reifen aus vollsynthetischem Isopren-Kautschuk für den Fuhrpark des Deutschen Kaisers.

1914/18: Synthesekautschuk wird im Ersten Weltkrieg zu militärischen Zwecken auf deutscher Seite eingesetzt.

1929: Die I.G. Farbenindustrie AG erhält das Patent für den Synthesekautschuk Buna  (Butadien und Natrium), der noch heute in weiterentwickelter Form Bestandteil von Reifen ist. Damit beginnt der industrielle Siegeszug des Synthesekautschuks.

1929: Die deutschen Chemiker Walter Bock und Eduard Tschunkur entwickeln die Mischpolymerisation von Styrol und Butadien in Emulsion und damit Styrol-Butadien-Kautschuk. Buna S ist geboren. Ein Jahr später arbeitet Tschunkur auch an der Entwicklung von Acrylnitril-Butadien-Kautschuk  (Buna N, ab 1938 Perbunan) für die Fertigung von öl- und benzinbeständigen Gummiartikeln.

1936: Auf Basis der zahlreichen Forschungsergebnisse wird in Schkopau bei Halle die erste großtechnische Produktion von Synthesekautschuk (Buna S) aufgenommen. Die ersten Autoreifen mit einer Buna-S-Lauffläche werden auf der Automobilausstellung in Berlin vorgestellt und erregen großes Aufsehen, weil sie länger halten als herkömmliche Reifen. Die Nationalsozialisten setzen sich das Ziel, Deutschland in vier Jahren weitgehend unabhängig von Einfuhren ausländischer Rohstoffe zu machen. Um beim Kautschuk autark zu werden, erhalten Planung und Errichtung von zusätzlichen Buna-Kautschuksynthese-anlagen höchste Priorität. Synthesekautschuk wird somit Bestandteil deutscher Kriegsvorbereitungen.

1941:  Auch die USA stellen ab jetzt mit Hilfe von Regierungsprogrammen große Mengen synthetischen Kautschuks her.

1941-45: In den Buna-Werken der I.G. Farben werden Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen Schwerstarbeit leisten. Für den Bau eines neuen Buna-Werkes in Auschwitz-Monowitz werden mehrere Zehntausend Gefangene, zumeist jüdischer Herkunft, aus dem benachbarten Konzentrationslager zur Arbeit gezwungen. Dabei kommen zwischen 1941 und 1945 bis zu 25.000 Zwangsarbeiter zu Tode –  ohne dass hier je ein Kilo Buna produziert wird.

1945: Nach dem Krieg verbieten die Alliierten die deutsche Synthesekautschuk-Produktion. Dadurch wird der Werkstoff aber bald knapp, zumal auch die Versorgung mit US- Produkten nicht ausreicht.

1948: Michelin entwickelt den Stahlgürtelreifen.

1949: Deutsche Politiker machen zunehmend auf das Versorgungsproblem und seine Auswirkungen für den Kfz- und Maschinenbau aufmerksam.

1952: Nachdem Wirtschaftsminister Ludwig Ehrhard sich des Problems angenommen hat, darf die Herstellung von Synthesekautschuk wieder aufgenommen werden.

1954: In den USA gelingt die Entwicklung eines Synthese-kautschuks, der in der Molekularstruktur dem Naturkautschuk gleicht.

1960: Zum ersten Mal in der Geschichte des Kautschuks überflügelt Synthesekautschuk mit 2,65 Millionen Tonnen die Weltproduktion an Naturkautschuk mit 2,08 Millionen Tonnen. Der Weltkautschukverbrauch und die Nachfrage steigen auch in den kommenden Jahrzehnten weiter.

1959: Guilio Natta und G. Crespie entwickeln den Ethylen-Propylen-Kautschuk auf Basis der Ziegler-Katalysatoren. Der Kautschuk wird heute in Karosseriedichtungen, Bremsschläuchen, Antriebsriemen, aber auch in Dehnungsfugen, Förderbändern und Kabeln eingesetzt.

1961: H. Bartl und J. Peter entwickeln den Ethylen-Vinylacetat-Kautschuk, der heute unter anderem in Schuhsohlen, Dichtungen, Folien, Fußbodenbelägen, Schläuchen und Kabeln Anwendung findet. Auch in der Solartechnik wird dieser Kautschuk heute eingesetzt.

1962: Entwicklung von Block-Copolymeren auf Basis von Styrol und Butadien, die zu den ersten thermoplastischen Elastomeren führen.

60er-dato:  Die Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist durch die Weiterentwicklung bereits bestehender und die Einführung vieler neuer Kautschuk-Varianten geprägt, die immer feinere „technologische Nischen“ besetzen und sich zu „Spezialisten“ entwickeln. Diese sind auf bestimme Bedürfnisse und Anforderungen genau abgestimmt und werden quasi „nach Maß“ hergestellt. Synthetischer Kautschuk wird heute in vielen Bereichen, von der Auto- und Reifenindustrie über das Baugewerbe bis hin zur Energiegewinnung sowie im Freizeitbereich eingesetzt.
Ungeachtet der beachtlichen Entwicklung der Synthese-kautschuke hat aber auch der Naturkautschuk seine Bedeutung für zahlreiche Anwendungsbereiche bis heute behalten.

LANXESS ist ein führender Spezialchemie-Konzern, der 2008 einen Umsatz von 6,58 Milliarden Euro erzielte und aktuell rund 14.600 Mitarbeiter in 23 Ländern beschäftigt. Das Unternehmen ist an 44 Produktionsstandorten weltweit präsent. Das Kerngeschäft von LANXESS bilden Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Kunststoffen, Kautschuken, Zwischenprodukten und Spezialchemikalien.

Zukunftsgerichtete Aussagen

Diese Presseinformation enthält bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung der LANXESS AG beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

Hinweise für die Redaktionen:

100 Jahre synthetischer Kautschuk – Wissenswertes über das Jubiläum und die vielfältigen Anwendungsbereiche finden Sie unter www.weltkautschuktag.de.

Weitere Informationen rund um die Chemie von LANXESS finden Sie in unserem WebMagazin unter http://webmagazin.lanxess.de.

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Frank Grodzki

Frank Grodzki
Pressesprecher Deutschland

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