Klimaneutralität: Das große Ganze

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Herr Fink, Sie sind im Vorstand der LANXESS AG für die Initiative "Climate Neutral 2040" verantwortlich. Wie fühlt man sich als Klimabotschafter eines großen Chemiekonzerns?
Es ist ein gutes Gefühl, als Teil eines starken Teams aktiv auf dieses große Ziel hinzuarbeiten. Wir haben dabei den Vorteil, mit unserer klaren Klimastrategie sehr sichtbare und konkrete Erfolge erzielen zu können. Beispielsweise haben wir an unserem Standort in Antwerpen gerade einen weiteren Meilenstein erreicht. Mit der offiziellen Einweihung einer Anlage, die klimaschädliches Lachgas zersetzt, reduzieren wir unsere Klimabilanz um weitere 150.000 Tonnen CO2. Das sind immerhin rund 5% unserer gesamten Emissionen - mit einer Anlage!

Und es ist auch deswegen ein gutes Gefühl, weil wir das Richtige tun angesichts der Folgen des Klimawandels, die wir schon überall sehen: Dürreperioden, Rekordtemperaturen, Überschwemmungen - all das, was durch Corona etwas in den Hintergrund gerückt ist, sich aber weiterhin vollzieht.

Sie erwähnen in Ihrer Klimastrategie, dass Klimaschutz ein Business Case ist - können Sie das etwas konkreter erläutern? 
Ganz einfach: Wenn wir in unseren Anlagen moderne Klimaschutztechnologien installieren, werten wir sie auf - genau wie Sie dies als Verbraucher im privaten Kontext tut, wenn Sie beispielsweise in Ihrem Haus eine Ölheizung durch eine Erdwärmepumpe oder Ähnliches ersetzen. Dazu kommt: Viele unserer Anlagen nehmen am europäischen Emissionshandel teil. Wenn wir unsere Emissionen senken, können wir daher überschüssige Emissionszertifikate verkaufen.

Dazu kommt: Mit unserer Klimastrategie werden wir auch für unsere Kunden ein nachhaltigerer Partner – und haben so auch auf der Wettbewerbsseite Vorteile.  

Andere Unternehmen sind ehrgeiziger als LANXESS und wollen früher klimaneutral werden. Warum 2040 und nicht 2030? 
Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen: Wieviel Emissionen und welchen Energiebedarf hat ein Unternehmen überhaupt? Und wie einfach können Emissionen reduziert werden? Es macht einen großen Unterschied, ob Sie ein Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor wie beispielsweise eine Bank oder Versicherung betrachten - oder einen globalen Chemiekonzern wie LANXESS mit Produktionsstätten auf sechs Kontinenten.

Ebenso wichtig: Wie soll Klimaneutralität konkret erreicht werden? Werden Emissionen durch Klimakompensation lediglich "neutral gestellt"? Oder ändert das Unternehmen wirklich seine Prozesse, investiert es im klimafreundliche Technologien? Neutral ist nicht gleich neutral.
LANXESS hat einen klaren Fahrplan mit konkreten Projekten basierend auf verfügbaren Technologien vorgelegt, um bis 2040 klimaneutral zu werden. Einige Technologien können wir jetzt schon einsetzen - andere müssen erst noch entwickelt, genehmigt und umgesetzt werden. Und all das braucht Zeit. 

 
LANXESS AG

Sie sprechen oft von der Unterstützung durch die Politik, die Sie benötigen, um Ihr Ziel zu erreichen. Lassen Sie sich hier das sprichwörtliche "Hintertürchen" offen?
Vorweg: Wir haben einen guten und konstruktiven Austausch mit Behörden und Politikvertretern vor Ort an unseren Standorten und ebenso in auf Bundes- und Landesebene. Dabei vermitteln wir jedoch auch sehr klar und faktenbezogen, welche Voraussetzungen wir brauchen, um klimaneutral werden zu können.

Beispiel Genehmigungsprozesse: Damit wir innovative Klimatechnologien zügig in die Praxis umsetzen können, benötigen wir vereinfachte und beschleunigte Genehmigungsverfahren und die richtige Finanz- und Steuerstruktur.
Beispiel klimaneutrale Energieversorgung: Wir benötigen erneuerbare Energien zu wettbewerbsfähigen Preisen in ausreichendem Umfang. Chemische Wertschöpfungsketten sind sehr kostensensibel - da reichen mitunter kleine Veränderungen, und eine Substanz kann nicht mehr kostendeckend produziert werden. Mitunter führt dies zu einer Art "Dominoeffekt", der ganze Wertschöpfungsketten unrentabel macht.

Emissionen, die in der Wertschöpfungskette entstehen - die sogenannten "scope 3"-Emissionen - sind bis jetzt nicht Teil Ihrer "Climate Neutral 2040"-Initiative. Warum nicht?
Für diese Emissionen haben wir in der Tat noch kein konkretes Ziel formuliert - aber wir beschäftigen uns sehr intensiv mit diesem Thema.

Die Frage ist zunächst: Wo liegen denn die größten "Emissionsblöcke" in chemischen Wertschöpfungsketten? 
Bezogen auf LANXESS "schlummern" Emissionen im Form von Kohlenstoff besonders in den Rohstoffen. Um sie zu erzeugen, wird oft viel Energie benötigt - dieser Energieeinsatz muss in Zukunft klimaneutral gestaltet werden.
Ein zweiter großer "Posten": Bei der Entsorgung wird in Produkten gebundener Kohlenstoff wieder frei - zum Beispiel durch Verbrennungs- oder Zersetzungsprozesse. Hier ist es entscheidend, dass wir Produkte künftig nicht mehr entsorgen, sondern recyclen. Und zwar besser als heute - denn konventionelles, mechanisches Recycling geht derzeit meist noch mit einem Qualitätsverlust einher. Das Zauberwort heißt "chemisches Recycling" - also die Zerlegung von Gütern in Ihre chemischen Bestandteile: Rohstoffe!
Bis für chemisches Recycling Prozesse etabliert und genehmigt sind, wird es noch eine Weile dauern. Wir arbeiten jedoch intensiv mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik daran, eine technische und wirtschaftliche Basis dafür zu erarbeiten.

Letzte Frage: Wenn Sie an die vielen jungen Menschen denken, die sich für den Klimaschutz einsetzen - was ist Ihre Botschaft?
Sie können unheimlich stolz sein auf sich und ihre Generation - sie hat eine Menge bewegt und viele Menschen zum Umdenken gebracht. Und sie übernimmt Verantwortung für den Klimaschutz in einem Maße, in dem es die Generationen vorher nicht getan haben. 
Gleichzeitig möchte ich auch eine Einladung aussprechen: Lassen Sie uns ins Gespräch kommen - und warum bewerben Sie sich nicht bei uns und arbeiten ganz konkret in unserem Unternehmen an Klimaschutzprojekten mit? Es gibt wohl kaum eine Industrie, die so eine spannende Rolle in der Transformation unserer Wertschöpfungssysteme spielen wird wie die Chemie.

 

Mehr Informationen zur Climate Neutral 2040 Initiative von LANXESS>>

Weitere Informationen: Klimaneutralität weltweit: Welchen Beitrag leisten Unternehmen? >>

Weiteres zu klimafreundlichen Lösungen für Hersteller, Verbraucher und Landwirtschaft: ein Interview mit Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur.  >>

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